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    Sommerferien - Teil 1

    Meine Eltern waren nun schon einige Jahre geschieden. Ich hatte mich nie damit auseinander setzen wollen, aber meine Mutter war nicht einmal Vierzig, es hätte mich also nicht wundern sollen, dass sie nicht ewig Single bleiben wollte.

    Wahrscheinlich hatte sie auch in all den Jahren ihren Spaß, Beziehungen mit Männern, vor mir hatte sie es aber wohl geheim gehalten, jedenfalls habe ich nie wirklich etwas davon mitbekommen.

    Klar, da war immer wieder mal ein anderer Mann, der mit uns in Schwimmbad oder spazieren, ins Kino oder Eis essen ging. Aber nie blieben sie länger als bis zum Abendessen und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Sie waren eben einfach bloß Mamas Freunde, die uns besuchen kamen oder mit uns etwas unternahmen.

    Diesmal war es anders. Vielleicht weil ich eben nicht mehr der kleine Junge war. Oder auch weil es ihr diesmal ernst war. Jedenfalls nahm sie mich eines Tages zur Seite und führte das unvermeidliche Gespräch mit mir darüber, dass sie einen neuen Mann kennengelernt hatte und dass sie verliebt sei und es ihr ernst sei. Dass sie ihr Leben mit ihm verbringen wollte und dass er nun häufiger und auch mal über Nacht – dabei wurde Mama ganz rot vor Scham - bei uns sein würde. Dass sie wollte, dass er sich bei uns wie zuhause fühlen und dass ich mich dementsprechend benehmen solle. Dass das nicht bedeuten sollte, dass sie mich nicht mehr lieb haben würde; ich würde das sicher schon verstehen.

    Nun, ich verstand das natürlich. Längst war ich in dem Alter, wo ich mich für Mädels und Sex interessierte und mir war zwischenzeitlich auch bewusst geworden, dass meine Mutter noch jung und attraktiv war.

    Außerdem hatte ich sie sehr lieb und wollte, dass sie glücklich ist. Also beschloss ich, dass ich dem Neuen eine Chance geben würde.

    Wir kamen tatsächlich auch ganz gut zurecht. Er versuchte nicht den Vater raushängen zu lassen, der er nicht war, war nicht zu bemüht um meine Aufmerksamkeit und dennoch immer ansprechbar für mich, wenn mir irgendwo der Schuh drückte und meine Mutter nicht erreichbar war.

    Die Wochen gingen so ins Land und schließlich stand der Sommer vor der Türe.

    Wieder kam meine Mutter zu mir und führte ein ernsthaftes Gespräch mit mir. Ich sei ja jetzt schon ein großer Junge und ich müsste verstehen, wenn sie diesen Sommer einen Urlaub ganz mit ihrem Freund allein verbringen wollte. Ich sollte nicht traurig sein, wir würden dafür in der zweiten Hälfte der Schulferien, wenn ihr Freund keinen Urlaub mehr bekommen würde, noch für eine Woche an die Nordsee fahren. Nur wir zwei allein.

    Ein wenig enttäuscht war ich schon, keine Ahnung, ob ich mich bloß zurückgewiesen fühlte oder aber ob ich einfach traurig darüber war, dass ich nicht mitkonnte.

    Aber das wäre ja noch okay gewesen.

    Wirklich verärgert war ich aber, weil ich nicht allein daheim bleiben durfte. Meine Mutter meinte, dass ich das letzte Mal, als ich sturmfrei hatte, über die Stränge geschlagen habe. Ich hatte ein Paar Kumpels zu einer Party eingeladen und wir hatten zu viel getrunken und die Wohnung sah danach dementsprechend aus. Objektiv betrachtet hatte sie wohl recht, ich hätte wieder Freunde eingeladen und sicher wäre diesmal alles genauso aus dem Ruder gelaufen wie das Mal zuvor.

    Verärgert war ich trotzdem. Sehr sogar!

    Sie würde mit ihrem neuen Freund in Urlaub fahren, nach Südeuropa, ihren Spaß haben und mir wollte sie ihn verwehren, ich sollte daheim bleiben. Beziehungsweise eben gerade nicht daheim, sondern – ja wo denn?

    Sie hatte schon mit Ingrid, einer Kollegin und engen Freundin, ausgemacht, dass ich die zweieinhalb Wochen, die sie mit ihrem Freund am Mittelmeer am Strand liegen würde, zu ebendieser Freundin zu Besuch kommen würde, in ein weit abgelegenes, kleines Kuhdorf, wo Ingrid das kleine Haus bewohnte, dass sie vor ein Paar Jahren von ihrer Großtante geerbt hatte. Weit von all meinen Freunden und jedem bisschen Nachtleben entfernt.

    Natürlich sagte sie das nicht so, und ich denke auch nicht, dass es ihre Absicht war, dass sie mich von meinen Freunden und der Möglichkeit, in den Ferien gemeinsam etwas zu unternehmen, auszugehen, fern halten wollte. Aber ich fand es schrecklich ungerecht und war verärgert darüber, dass sie mir meine Ferien so kaputt machte.

    Ihre Pläne zu ändern vermochte all mein Meckern und Gejammer nicht. Auch wenn ich die nächsten Tage schmollte, sie keines Blicke mehr würdigte und nur noch das absolut Notwendigste mit ihr sprach. Es war abgemachte Sache.

     
      Posted on : Aug 4, 2016
     

     
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