|
Ob ich mich eigens für die Bilder ausziehe oder ob ich draussen nackt herumspaziere?
Das kommt ganz darauf an. Gelegentlich wandere ich nackt umher und mache dabei auch mitunter Bilder. Aber doch eher selten. Wenn ich zum Beispiel nackt ins Watt gehe, dann eher nicht, denn weder kann ich dort meine Fotoausrüstung sicher abstellen noch hat ein Stativ überall einen sicheren Stand. Dann bin ich eher mit einem Minimum an Fotoausrüstung unterwegs.
Da, wo ich wohne, da sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht und es sind fast nur Hunde und deren menschliche Begleitung unterwegs. 100 Meter vom Haus entfernt beginnt schon die Wildnis und im Sommer kann man nackt durch das Maisfeld laufen, ohne daß es irgendjemand sieht.
Wenn man die Gewohnheiten der Hundebesitzer kennt, dann weiss man auch, zu welchen Zeiten wenig los ist und wenn es niemanden stört. Da ist dann schon einmal das eine oder andere Shooting angesagt. Und wenn dann doch jemand vorbeikommt, dann ist es eigentlich auch egal.
Anders ist es bei den Bildern unten ohne. Für die mache ich mich schon ganz bewusst unten frei. Denn das würde von meinen Zeitgenossen ganz sicher sofort sexuell interpretiert. Nackt geht und angezogen geht, aber dazwischen ist irgendwie tabu.
In der Stadt ist dies anders, die ist in dieser Hinsicht deutlich anonymer. In meinen Frankfurter Tagen bin ich gelegentlich nackt mit der S-Bahn in den Taunus gefahren, um dort zu wandern. Oder unten ohne im Supermarkt, wo einen jeder kennt, einkaufen gegangen. Hier, wo alles vom Tourismus dominiert wird, ist man da weitaus restriktiver.
Warum ich nackt herumlaufe? Ganz einfach, weil es mir gut tut. Nicht, um gesehenzu werden, sondern das nehme ich nur billigend in Kauf.
Anders ist es, wenn es mir nicht ums Nacktsein selbst, sondern um Bilder geht. Möchte ich Bilder von mir im Anzug mit Krawatte in der S-Bahn machen, allerdings unten ohne, dann muss ich dazu eben eine S-Bahn aufsuchen. Das dort auch Öffentlichkeit ist, das ist eben der Preis.
Künster inszenieren sich eben manchmal für ihre Werke eine eigene Realität, denn anders lassen sich diese Werke nicht anders realisieren
P.S. Wenn es hier in Cuxhaven eine lokale Nackwandergruppe gäbe, dann würde ich mich ihnen wahrscheinlich anschliessen. Oder von mir aus auch eine Nacktradlergruppe.
|