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„Christiane!“, rufe ich und schon erscheint meine Frau und
Assistentin auf der Bildfläche und nimmt sich des Mädchens an. Ich blicke noch
einmal zur Schar des versammelten Publikums und bemerke, dass es hinter mir
einen kleinen Tumult gibt. Die elegant gekleidete Aramis versucht ihren Mann
abzuschütteln, der sie an irgendetwas hindern will. Das erregt natürlich
Aufmerksamkeit. Das Publikum blickt neugierig zu unserer Gruppe her, die wir ja
an der Bar stehen. Ich werfe meiner Frau einen auffordernden Blick zu. Sie
versteht es meisterhaft, mit rabiaten Männern umzugehen. Schon tritt sie zu dem
streitenden Paar. Der soignierte Porthos hat seine Frau am Arm gepackt und will
sie zum Eingang dirigieren. Christiane tritt hinzu, greift ihrerseits nach dem
Arm von Porthos und drückt ihn so, dass dieser sich ihr zuwenden und in die
Augen schauen muss. Damit ist es um ihn geschehen. Und dann Christianes sanfte
Stimme:
„Verzeihen Sie, Porthos! Ist diese Dame, Aramis, die Sie auf
rüde Weise festhalten, Ihr Eigentum? Ihre Sklavin? Ihr Haustier?“
Er starrt Christiane verblüfft an und gibt mit wütender
Stimme seine Antwort:
„Sie ist meine Frau. Ich will sie vor einem Fehler bewahren!
Sie will sich peitschen lassen!“
„Haben Sie Ihre Frau gefragt, weshalb sie das will?“,
erwidert Christiane ganz ruhig, nimmt Aramis an der Hand, lässt seinen Arm los,
nimmt die des Mädchens, das mit offenem Mund das Intermezzo beobachtet hat und
führt die Damen zur Vorbereitung in die Garderoben des Theatersaals. Mit
offenem Mund starrt Porthos den drei Frauen nach. Ich schiebe ihm rasch ein
volles Glas vor die Nase und sage lachend:
„Prost, Du wirst Dich schon noch an unsere zwanglose Art
gewöhnen, Porthos. Hier geschehen unglaubliche Dinge, auch Grausamkeiten, aber
alle werden freiwillig ertragen, aus Neugier, Lust oder gegen Geld und niemand
kommt zu Schaden. Du wirst sehen. Wir erleben das alles schließlich in einem Märchen!“
Sobald unsere Gläser leer sind, machen wir uns auf den Weg
zum Theater Saal.
PEITSCHEN TÄNZE
Unser Theater Saal ist terrassenförmig angelegt, eine Art
Viertelrund. Auf jeder Terrasse stehen Tische und Stühle für die Zuschauer. Von
jedem Platz hat man beste, ungehinderte, Sicht auf die Bühne. Für uns ist ein
Tisch in der Mitte vor der Bühne bereitgestellt. Wir nehmen Platz. Porthos
mustert den dritten, leeren Sessel und fragt:
„Wird Christiane uns Gesellschaft leisten, Gerd?“
„Selbstverständlich, Porthos, sobald sie mit ihrer Arbeit
fertig ist!“, erwidere ich.
Die Bühne ist durch einen purpurroten Vorhang verhüllt, also
schauen wir uns ein wenig im Saal um. Zufrieden bemerke ich, dass er bis auf
den allerletzten Platz besetzt ist und meine Hostessen eifrig Bestellungen
aufnehmen. Schon wird das Licht gedimmt und gebeten, die Handys auf stumm zu
schalten. Es wird ruhig.
Ein Scheinwerfer Strahl richtet sich auf die Mitte des
Vorhangs. Von rechts schreitet eine nackte Frau selbstbewusst, aber nur
schemenhaft sichtbar, dieser Mitte zu und tritt in den Lichtkegel. Ein
erstauntes, erfreutes Raunen und Wispern erheben sich. Es ist Christiane.
Nackt, mit Ausnahme von Sklavinnen Halsband, Hand und Fuß Manschetten und
eleganten Schuhen. Applaus brandet auf. Sie lächelt und verbeugt sich leicht.
Das Schaukeln der Brüste lässt den Applaus anschwellen, also versucht sie es
mit einem Knicks, aber da wird das Klatschen noch stärker. Daher richtet sie
sich wieder auf, senkt den Kopf und legt den Finger beschwichtigend und Ruhe
heischend an die Lippen. Langsam tritt Stille ein. Mit klarer Stimme verkündet
sie:
„Willkommen zu unserer heutigen Vorstellung. Ich freue mich,
heute drei Damen aus dem Publikum ankündigen zu dürfen. Salome, die
bereitwillige Sklavin von Herrin Aramis und Herrn Porthos, heute zu Gast bei
uns. Weiter ihre Herrin Aramis, die sich entschlossen hat, hier und heute die
submissive Seite ihres Wesens kennenzulernen. Schließlich Yvonne, eine junge
Dame, die wissen will, wie weit sich ihre Träume und Sehnsüchte in echte
Erlebnisse verwandeln lassen.
Alle drei Damen werden uns allen in Peitschentänzen mit
steigenden Anforderungen zur Verfügung stehen. Wir beginnen mit Salomes Tanz
von Richard Strauss, schließen Ravels Bolero an und beenden mit dem Säbeltanz
von Chatschaturjan. Ich wünsche viel Vergnügen.“
Christiane verbeugt sich wieder zum Gaudium der Zuschauer
und geht im Scheinwerferlicht, das sie begleitet, nach links ab, von der Bühne
herunter und zu unserem Tisch, wo sie sich lächelnd niedersetzt, ihr Glas
ergreift, Porthos und mir zuprostet und voll Genuss den ersten Schluck nimmt.
Porthos erhebt sein Glas ebenfalls, kann seine Augen nicht von Christiane lösen
und wispert mir fragend zu:
„Wird Deine Christiane auch auftreten?“
Ich nicke nur bejahend, denn kaum hat Christiane sich zu uns
gesellt, geht rauschend der Vorhang auf und gibt ein helles, berauschendes Bild
frei. In der Mitte Salome, nackt bis auf einen roten Schleier, rechts Aramis,
ebenfalls nackt, aber in einen blauen Schleier gehüllt. Von Yvonnes Nacktheit
bekommen wir Zuschauer am wenigsten zu sehen. Sie versucht, Brüste und Scham
mit dem durchsichtigen Schleier so gut wie möglich zu verhüllen.
Jede von den drei Damen steht auf einem etwa zehn Zentimeter
hohen, drehbaren Podest als Tanzfläche. Hinter jeder steht ein in schwarzes
Leder gekleideter Mann, die rechte Hand auf die linke Schulter seiner Dame
gelegt, besitzergreifend, drohend, denn in den linken Händen tragen alle drei
Männer je drei Peitschen, eine dünne für den ersten, eine dickere für den
zweiten und eine böse aussehende Bullenpeitsche für den Säbeltanz.
Die drei Damen lächeln zwar, aber dieses Lächeln wirkt ein
wenig gequält, gewollt. Salome wirkt beinahe gelöst, Aramis gespannt, Yvonne
ein bisschen verkrampft. Die ersten Takte von Richard Strauß erklingen, die
schwarz gekleideten Männer treten zurück, nehmen Aufstellung, die Podeste
beginnen sich ganz langsam zu drehen, die Damen versuchen, trotz der Angst vor
den Peitschen, auf ihren Podesten einen tänzerischen Rhythmus zu finden.
Salome findet ihn rasch, löst den um ihren Hals
geschlungenen Schleier und wiegt und dreht sich mit erhobenen Händen zum Takt
der Musik, gibt ihren Körper preis. Aramis belässt den blauen Schal um ihren
Hals geschlungen, nimmt die beiden losen Enden in die Hände und bewegt sich im
Tanz, als ob sie Flügel hätte, kraftvoll, stolz und doch beschwingt. Yvonne
hüllt sich in ihren grünen Schleier ein, so gut es halt geht und führt eine Art
Disco Tanz auf.
Sobald die Frauen ihren Rhythmus gefunden haben, schwingen
die Ledermänner ihre Peitschen. Die dünnen Schnüre suchen und finden die nackte
Haut der tanzenden Weiber. Sanft berührend zuerst, langsam heftiger werdend,
Schreie auslösend, schließlich brennend, dünne Striemen erzeugend, immer
schneller. Yvonne kreischt als erste, Aramis keucht, beherrscht sich noch,
versucht durch Bewegung den Schmerz zu verdrängen. Salome wiegt sich weiter im
Takt der Musik, obwohl sie am wenigsten versucht, den Hieben auszuweichen,
obwohl sie ihren Körper ungeschützt den dünnen Peitschenschnüren anbietet und Striemen
sich an Striemen reiht. Sie wirkt wie in Trance.
Die ersten fünf Minuten sind um und überstanden. Die
Peitschen werden zu den ersten Takten des Boleros von Ravel gewechselt. Die
Tänzerinnen stellen sich auf die langsame, immer schneller werdende Musik ein.
Unwillkürlich kommt mir in den Sinn, ob wohl alle drei Frauen wissen, dass der
Bolero mindestens fünfzehn, aber bis zu fünfundzwanzig Minuten dauert? Ich weiß
nicht, welche Version Christiane ausgewählt hat. Eine kürzere, nehme ich an. Zum
Bolero zu tanzen ist nicht ganz einfach und die Peitschen sind jetzt bösartiger
und werden rücksichtsloser geführt. Den Männern macht es Spaß, ihre Opfer zu
quälen. Die Hiebe zerfetzen die Schleier jetzt und erzeugen schmerzhafte
Striemen auf der Haut der drei Frauen, aber die haben wohl unterschiedliche
Motive, aber alle drei den Willen, nicht zu versagen, die Schmerzen zu
ertragen, sich selbst und anderen zu beweisen, dass der Wille auch Schmerzen zu
bewältigen im Stande ist.
Yvonne kreischt bei jedem Hieb auf, Aramis knirscht mit den
Zähnen und knurrt und ächzt und auch Salome schreit, wenn die Peitsche einen
neuen brennenden Striemen auf ihre Haut zeichnet. Es ist beinahe unglaublich,
aber alle drei Frauen nehmen den Kampf mit sich selbst und gegen die Schmerzen
und Qualen durch die Peitschen Hiebe, auf, als der Bolero verklingt.
Der Säbeltanz ist kurz, aber die Peitschen dazu sind jetzt
schwer und jeder Hieb eine unerträgliche Qual. Trotzig werfen alle drei die
sinnlosen Reste der Schleier weit von sich und wappnen sich gegen die
Schmerzen, gegen das Brennen, das jeder Hieb hervorruft. Yvonne verschränkt die
Hände krampfhaft auf dem Rücken, Aramis legt sie fest auf den Hinterkopf, als
wollte sie ihren wohlgeformten, nackten Körper ungeschützt darbieten und Salome
bleibt bei ihren erhobenen Händen und ihrem drehenden und wiegenden Tanz.
Trotzdem werden die Schreie der drei Frauen nun beinahe unerträglich laut.
Keine von ihnen kann sie zurückhalten. Sie taumeln und krümmen sich zusammen.
Es ist ein Bild wie aus der Hölle, das sie den Zuschauern bieten. Blutrote
Striemen ziehen sich kreuz und quer über die nackten, schweißnassen Körper. Das
Klatschen und Knallen des Peitschen Leders auf der hellen Haut der drei
Frauenlässt wohl niemanden kalt. Da entstehen heftige Emotionen im Publikum,
das ja nicht nur aus Sadisten besteht. Letztere empfinden die Qualen und
Schmerzen, unter denen die nackten Leiber sich winden und schreiend in diesem Alptraum
aufbäumen als sexuell ungeheuer erregende Darbietung, als unerwarteten Genuss,
aber viele, die nur aus Neugier dasitzen, sind schockiert. Bei einem Teil
werden die bisher unerlaubten Triebe wohl aufbrechen, andere werden den Deckel
über ihren unerlaubten Trieben noch fester zumachen.
Die Zuschauer springen bei dem furiosen Schauspiel auf,
johlen, brüllen, feuern die Tänzerinnen an, die schon mehr taumeln als tanzen, sie
grölen, pfeifen als Beweis für ihre Zustimmung, ihren grandiosen Genuss.
Schließlich endet die Musik. Einen kurzen Augenblick ist Stille. Den Tänzerinnen
werden Bademäntel umgelegt, sie verbeugen sich ächzend, ein verzerrtes Grinsen
im Gesicht. Der Vorhang fällt unter dem Beifalls Klatschen des aufgeregten und
aufgeheizten Publikums.
INTERMEZZO
Der Scheinwerferstrahl richtet sich auf unseren Tisch,
Christiane steht auf, entschuldigt sich und wird von dem Strahl unter den
beifälligen Pfiffen des Publikums auf die Bühne geleitet. Sie legt wieder den
Finger, Stille heischend, an den Mund und verkündet:
„Meine Damen und Herren! Ich hoffe doch sehr, dass sie mit
den Darbietungen unserer Laiendarstellerinnen zufrieden sind, Ihr
überwältigender Applaus beweist das auch. Salome, Aramis und Yvonne werden nun
in unserem Regenerationsbad vollkommen von ihren durch die Peitschen
verursachten Verletzungen und Schmerzen befreit, um uns nach einem kleinen
Intermezzo, das von unserem Stamm Personal bestritten wird, wieder für neue
Torturen zur Verfügung zu stehen.
Die Idee dazu kam uns vor einigen Jahren, als ich mit meinem
jetzigen Mann, Gerd, in Paris war. Ich jung und unbeleckt, er erfahren in
Sachen Schmerz und Lust. Er schleppte mich in eine SM Schau nach der anderen,
die abwechselnd Lust und Abscheu in mir weckten. Eine davon haben wir für
unsere Bedürfnisse abgewandelt und wollen sie Ihnen, meine Damen und Herren,
nicht vorenthalten. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung.“
Christiane verlässt die Bühne wie zuvor. Sobald sie an
unserem Tisch sitzt, wird der Vorhang aufgezogen, flotte Musik ertönt und sechs
Mädchen wirbeln von allen Seiten auf die Bühne, verkleidet als weiße Kätzchen,
nackt bis auf Katzenmaske, Fell Pfötchen und einem weißen Fell Höschen mit
einem langen Schwanz hinten dran. Zur feurigen Musik führen sie eine Art
Ballett auf, bei dem die nackten Brüste, obwohl eher klein und straff, doch ins
Hüpfen und Zittern geraten. Die Tierchen spielen miteinander, reiben sich an
einander und schmiegen sich an einander, bis schließlich die Brustwarzen durch
dieses anregende Spiel hart und groß aufragen.
Plötzlich wirbelt ein schwarzer, gestiefelter Kater in die
Menge der Kätzchen. Gierige Pfoten fallen über ihn her, wollen ihn festhalten.
Er kann sich ihrer nicht erwehren. Zipp Verschlüsse ratschen, von der Musik
übertönt, bald ist der Kater seines Fells beraubt und bis auf Maske und Stiefel
nackt. Ein gut gebauter Kater, der verzweifelt versucht, seine Blößen zu
verbergen, zu fliehen, aber es gelingt ihm weder das eine, noch das andere.
Mit vor Vergnügen blitzenden Augen schlagen die Kätzchen auf
seinen nackten Körper ein, wozu sie ihre Schwänze in die Hand nehmen und ihn
damit verdreschen. Er versucht, die Kätzchen zu fassen, festzuhalten, aber es
gelingt ihm nicht, zu groß ist die Überzahl. Vergnügt miauend trachten sie
danach, ihm mit ihren künstlichen Schwänzen zwischen die Beine zu dreschen,
seinen Schwanz und seine Eier zu treffen, weil er da so schön aufjault und
seinen Schoß zu schützen versucht. Aber auch sonst verzieht er immer wieder das
Gesicht. Die Enden der Katzenschwänze müssen ziemlich hart sein. Beinahe möchte
er einem leidtun, aber dazu ist die Szene zu reizvoll.
Ich frage mich, ob die eine oder andere Sadistin im Publikum
sitzt und diese Szene verzückt genießt, nur bedauert, dass sie nicht auf der
Bühne sein darf. Da ertönt plötzlich und unerwartet ein lauter Tusch der Musik.
Plötzlich wimmelt es auf der Bühne von schwarzen Katern. Je
fünf nehmen sich eines der halbnackten Kätzchen vor, die erschrocken erbärmlich
zu miauen beginnen, aber gegen die haushohe Übermacht an Katern nicht die
geringste Chance haben. In dem von dissonanten Tönen der Musik begleiteten
Getümmel werden den Kätzchen die Höschen vom Leib gerissen und die Pfoten ausgezogen.
Binnen Sekunden werden aus den putzigen, munteren Kätzchen nackte, hilflose
Frauen mit Katzenmaske. Ein Kater kniet sich mit aufgestützten Ellbogen kauernd
hin. Drei packen ihr nacktes ehemaliges Kätzchen und werfen es Rücken an Rücken
auf den kauernden Kater. Die Musik wird ruhiger. Ein Kater packt die
Handgelenke, je einer ein Bein. Diese beiden zerren dem nackten Weib die Beine
auseinander, bis es vor Schmerz herzbrechend zu miauen beginnt. Der fünfte
Kater ergreift das abgestreifte Höschen mit dem Schwanz und drischt mit diesem
erbarmungslos auf das ehemalige Kätzchen ein. Schenkel und Brüste müssen daran
glauben und entlocken dem Weib ein immer schriller werdendes Miauen, je näher
die Hiebe sich dem ausgebreiteten Schoß der Wehrlosen nähern. Hilflos wimmernd
und miauend winden und krümmen sich die nackten Leiber unter den auf sie
eindreschenden Schwanzenden, gehalten von den unnachgiebigen Fäusten des
dreschenden Katers und ausgespreizt gehalten von den ebenso eisern zupackenden
Fäusten der drei Kater, die das Opfer in dieser Lage halten.
Die Musik muss lauter werden, um das Klatschen der Hiebe auf
nackter Haut und das klägliche Miauen zu übertönen. Zwischen den fünf
aufgespreizten Frauen saust der nackte Kater herum wie der Teufel und schwingt
eine mehrsträhnige Ledergeißel, mit der er einmal hier, einmal dort, kräftig
zuschlägt und jeweils heftige Reaktionen der Getroffenen auslöst. Tiefrote
Striemen verzieren die getroffenen Stellen, die Brüste, die Schenkel und vor
allem Schamlippen und Kitzler.
Die nackten, hilflosen Leiber winden und krümmen sich,
schnellen und bäumen sich auf in den erbarmungslosen Fängen der kräftigen
Kater. Das klägliche, schrille Miauen macht der Musik Konkurrenz. Ich kenne
diesen Teil der Schau ja seit Jahren und trotzdem werde ich ungeheuer stark
sexuell erregt. Ich drehe mich um zum Publikum und kann viele Hände sehen, die
im Schoß vergraben sind, im eigenen, oder in dem der Partnerin, des Partners.
Schließlich beginnt die ganze Bühne sich zu drehen und
befördert die bisher am weitesten im Hintergrund gewesene Gruppe nach vorne,
damit jede meiner Protagonistinnen einmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des
Publikums sein kann. Das ist zwar ein zweifelhaftes Vergnügen, aber so steht es
im Vertrag. Da erlebt das Publikum und natürlich vor allem das Opfer nun einen
Höhepunkt an Grausamkeit, denn es gibt jeweils drei Hiebe mit einer
mehrsträhnigen Geißel über jede Brust, dann dreht sich die Scheibe auf der die
Gruppe agiert und bietet den Zuschauern den Blick in den gespreizten Schoß.
Dorthin erhält das ausgespannte Weib drei kräftige und teuflische Hiebe mit
einer kurzen Peitsche, einer Knute etwa, oder gar einem Ochsenziemer.
Teuflische Instrumente für diese zartbesaiteten Stellen, die nahezu immer
blutende Striemen ziehen. Dementsprechend sind auch die Reaktionen der
Gepeinigten. Allerdings dürfen sie nur Katzenlaute von sich geben, eine
zusätzliche Verschärfung. Der peitschende Kater zieht seinem Opfer die
Schamlippen brutal auseinander, damit das Publikum sieht, was er mit seinen
Hieben angerichtet hat.
Heute ist ein dunkelhaariges Mädchen als erste an der Reihe.
Es zischt seinen Schmerz hinaus bei jedem Hieb der Geißel auf die Brüste und
noch wilder bei jedem Hieb des Ochsenziemers in seine Schamspalte. Dazwischen
miaut sie herzerweichend. Ich bewundere dieses junge Ding. Es ist Studentin,
ich glaube der Psychologie und verdient sich so das Studium. Ich glaube nicht,
dass diese junge Dame einschlägige Fantasien oder Erfahrungen hat. Sie kommt
einmal im Monat, um sich ihr Körberlgeld im wahrsten Sinne des Wortes zu
„erleiden“.
Die nächste junge Dame, die uns präsentiert wird, ist ein
molliges, blondes Mädchen, Regina. Sie ist fix angestellt und hat sich in den
Kopf gesetzt, ihre masochistischen Fantasien Realität werden zu lassen. Dabei
ist sie ungeheuer schmerzempfindlich und leidet entsetzlich, auch jetzt, da sie
vor uns liegt. Schweiß steht zwischen ihren vollen Brüsten, Kopf und Hals sind
gerötet, das Blut pulsiert in ihren Adern am Hals vor Anstrengung und ihren
vergeblichen Versuchen loszukommen, sich zu wehren gegen die Geißelhiebe, die
ihre Brüste zerfleischen. Tränen der Qual, der Scham und der Hoffnungslosigkeit
sickern unter ihrer Maske hervor und rinnen über die Stirne in ihr Haar. Durch
die Augenschlitze der Maske meine ich ihre tränennassen Augen flehentlich auf
mich gerichtet zu sehen, während die Geißel sich in ihre Brust verbeißt und
Wunden reißt. Beinahe bin ich froh, dass die Gruppe gedreht wird und ich in
einen weit gespreizten Schoß blicke. Zwar bewegen sich After und Scheidenöffnung
auch ein wenig aus Angst vor dem ersten Hieb des Ochsenziemers, aber das ist
doch unpersönlicher als die Augen. Ich kann die drei Hiebe und die Reaktionen
darauf genießen, als wäre ich einfach nur Publikum.
Das nächste Opfer, das uns zugedreht wird, ist eine ältere
Frau, ich schätze um die dreißig, dunkelhaarig, drall und kräftig, hat für mich
etwas Bäuerliches. Ihre Muskeln zittern von den vergeblichen Versuchen sich
freizustrampeln. Sie kann die Katzenrolle nicht ganz durchhalten, kreischt bei
den Hieben, die ihre Brüste zerfetzen haltlos auf und schluchzt, als der
Ochsenziemer ihre Schamspalte striemt. Wahrscheinlich eine Einspringerin, noch
nicht fertig ausgebildet.
Dafür kenne ich das nächste Mädchen umso besser. Es ist
blond, hat die Ausbildung bei uns mit Bravour überstanden, gibt sich aber nach
Möglichkeit vollkommen unbeteiligt, auch der heftigste Schmerz bringt sie nicht
aus einer gewissen Gelassenheit. Ich hatte den Verdacht, dass sie sich
Schmerzmittel oder Suchtmittel einverleibt, ehe sie ein oder zwei Mal im Monat bei
uns anruft und sich zur Verfügung stellt. Aber alle Harn und Blut Proben waren
negativ. Auch jetzt liegt sie beinahe teilnahmslos vor uns. Wenn die Maske
nicht wäre, würden wir sehen, dass die Augen geschlossen sind. Kein Laut kommt
über ihre Lippen, obwohl die Geißel sich auch in ihr Brustfleisch gräbt. Es ist
beinahe gespenstisch. Auch das Publikum hält den Atem an. Selbst die Hiebe in
ihren Schoß verkraftet sie lautlos. Sie bäumt sich auf, sie windet sich, sie
spürt den Schmerz, aber sie gibt keinen Laut von sich. Erst als der Kater, der
ihre Schamlippen brutal auseinanderreißt, um dem Publikum die blutigen Striemen
zu zeigen, entlockt ihr ein zitterndes Winseln der Scham.
Ich sinniere über diese geheimnisvolle Frau nach und bekomme
von dem letzten Opfer kaum etwas mit, außer dem wütenden Miauen und Pfauchen. Erst
als Christiane aufsteht und auf die Bühne geht, schüttle ich meine
Gedankenverlorenheit ab.
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